Weshalb sich Banken und Ökonomen nicht verstehen

Vor zwei Wochen haben wir hier berichtet, dass der Gouverneur der Bank of England, Mervyn King, aus Sicht der Banken übergeschnappt ist. Er hat den Glaubenssatz in Frage gestellt, wonach Eigenmittel teurer sind als Fremdmittel. King wurde sogar vorgeworfen, er wolle das britische Bankensystem zerstören. Seine auf  die Finanztheorie gestützte Argumentation steht tatsächlich im Widerspruch zur Alltagserfahrung der Praktiker. Wer hat recht?

Des Rätsels Lösung liegt darin: Beide Seiten sprechen über unterschiedliche Dinge. Die Bankpraktiker sprechen über die Kosten der Beschaffung von Eigenmitteln, die Theoretiker über die Kosten der Haltung von Eigenmitteln. Kurzfristig haben die Praktiker recht, langfristig die Theoretiker. Mervyn King hat gut getan, sich an der längerfristigen Sicht zu orientieren. Im einzelnen findet sich die Argumentation in meinem Aufsatz.

Eine kürzere Version wurde von der NZZ vor über einer Woche akzeptiert, aber noch nicht gedruckt. Da ich soeben von Inke Nyborg den gestrigen Artikel von David Miles (Monetary Policy Committee Bank of England) aus der Financial Times erhalten habe, in der dieser ähnlich argumentiert, wollte ich meinen Text hier zur Verfügung stellen, bevor er abgeschrieben scheint. Die NZZ möge mir verzeihen.

Banken=Staat=Banken

Wir haben es mehr als einmal gesagt (z.B. in der Antrittsvorlesung vom 12. April und im Gutachten für die SP Schweiz vom 8. Juli): Der Fluchtpunkt der impliziten Staatsgarantie ist die Verschmelzung von Banken und Staat. Nun folgt, wie die Irish Times berichtet, die Bestätigung durch die Rating-Agentur Standard&Poor’s: „The fate of the Government and the fate of Ireland’s banking system are really one and the same“ (Frank Gill, Irland-Analyst S&P). Damit sind die Banken verstaatlicht oder der Staat „verbankt“. Da die irischen Banken „too big a problem for this country“ sind (Finanzminister Lenihan, diesen Montag) geht das Spiel auf der nächst höheren Ebene (jener der EU) weiter …

Regulator’s Dilemma

Die irische Krise wirft auch ein grelles Licht auf die zweischneidige Rolle der Bankaufseher. Das Wall Street Journal erinnert daran, dass die irischen Banken im Juli, bevor sie das Land ins Verderben rissen, die behördlichen Stress-Tests noch brav bestanden.

Doch nicht nur die Stress-Tests sehen schlecht aus. Auch die Basler Eigenmittelempfehlungen hinken hinter der Realität hinterher. Staatsschulden gehen mit Gewicht null in die Berechnung der „Risikogewichteten Anlagen“ ein, solange sie ein AA-Rating haben. Irland ist zwar aus dem AA-Klub ausgeschieden und erhält jetzt wie Italien oder Portugal ein Gewicht von 20% (Griechenland: 100%).

Die nationalen Aufsichtsbehörden dürfen aber für Verpflichtungen ihrer Regierungen gegenüber einheimischen Banken tiefere Werte vorsehen. Wen wundert’s, dass gemäss Financial Times in der EU plötzlich der Anteil der Staatsschulden gegenüber Ausländern zurückgeht und derjenige gegenüber Inländern (wohl vor allem der Banken) ansteigt?

Die Bankaufsichtsbehörden helfen also ihren Banken, den höheren Eigenmittelanforderungen ausweichen. Dass die Banken dabei auf schlechten Papieren sitzen bleiben, stört sie wenig. Im Gegenteil — der Anreiz für die Banken, die Schrottpapiere der eigenen Regierung zu kaufen, wird noch zunehmen, wenn die in Basel geschneiderten verschärften Liquiditätsanforderungen in Kraft treten sollten. Denn selbstverständlich gelten Obligationen der eigenen Regierung als liquid.

Nur die irische Regierung hat (gemäss dem auf vier Jahre angelegten National Recovery Plan) eine noch bessere Mülltonne für ihre Schulden gefunden: Den nationalen Pensionsfonds. Wer’s auch fast nicht glaubt, lese den Blog der Financial Times.

Mervyn King wetzt die Klinge

Hans Geiger schickt mir einen Artikel aus dem Wall Street Journal, in dem der Gouverneur der Bank of England als Zerstörer des britischen Bankensystems bezeichnet wird. Grund: King bezweifelt aufgrund der Finanztheorie die Argumente der Banken, wonach Eigenmittel teuer sind. Jetzt dürfte der Krieg losgehen. Einen Friedensvorschlag hätten wir für Interessenten parat.

Danke, Herr Kaufmann!

Gestern und Vorgestern habe ich die oberflächliche Berichterstattung der Zeitungen kritisiert. Dabei geriet auch der von den beiden Blättern zitierte Nationalrat Hans Kaufmann, SVP, in Mitleidenschaft. Herr Kaufmann hat sich deshalb mit einem substantiellen Kommentar gemeldet.

Die Quintessenz verstehe ich wie folgt. Gute Nachricht: Das Gespenst des Massensterbens von Kleinbanken ist tatsächlich eine Phantasie der beiden Journalisten. Schlechte Nachricht: Der Finanzplatz Schweiz verliert deutlich an verwalteten Vermögen ausländischer Kunden, nicht nur wegen der Finanzkrise und dem Rückgang der Aktienpreise, sonder auch wegen tatsächlicher oder befürchteter Entwicklungen im Bereich Bankgeheimnis/Abgeltungssteuer. Und weil die Behörden zu schüchtern auf die Gegenleistung EU-Marktzugang pochen.

Es lohnt sich, den Artikel von Hans Kaufmann genau zu lesen. Ich danke ganz herzlich für die Zuschrift!

Abwanderung — deuxième service.

Wie schnell man jemandem Unrecht tut! Gestern habe ich 20Minuten gescholten wegen oberfächlicher Berichterstattung. Heute serviert die NZZ (Titelblatt und S.25) dieselbe Suppe. Nicht ganz so heiss, sondern mit dem Tag Verzögerung, an dem man den seriösen Journalismus erkennt, und mit weiteren Zitaten „angereichert“. Wir lesen zum Beispiel, dass Banken auch Schrankfächer vermieten. Der Motor der Story ist jedoch immer noch die Aussage des SVP-Nationalrats, wonach die Abgeltungssteuer die kleinen Schweizer Banken bedrohe. Immerhin bezeichnet die NZZ dessen Schätzungen als „am obersten Ende der Marktschätzungen“. Vor allem aber erfahren wir endlich die tiefere Ursache der kommenden Abwanderung deutscher Vermögen: „Hiesige Politiker und Banker könnten sich nicht in ausländische Bankkunden hineindenken“, wird der Nationalrat zitiert. Wir können nicht beurteilen, welche Partei sich von allen am besten in ausländische Staatsangehörige einfühlt. Der Autor des NZZ-Artikels wäre dazu besser plaziert gewesen. Er ist nämlich deutscher Staatsangehöriger. Leider hat er — seriös und einfühlsam  — die eigene Meinung für sich behalten. Dafür und damit er nicht wieder aus 20Minuten rezyklieren muss, schenken wir ihm ein Jahresabo für den Batz.

247 Schweizer Banken bedroht?

Der Titel (ohne Fragezeichen) steht auf der Frontseite (und auf S. 15) der heutigen Ausgabe von 20Minuten — als Schreckmümpfeli für die schon durch Regen und Kälte strapazierten Pendler. Schon wieder Bankzusammenbrüche? Warum denn? Die grosse Gefahr: Die Abgeltungssteuer auf ausländischen Vermögen in der Schweiz. Sie bedroht alle kleinen Banken. Das sind 247 Institute.

Wie kommt man zu diesem Befund? Man nehme — erstens — die Aussagen eines Ex-Chefökonomen einer (grossen) Vermögensverwaltungsbank und SVP-Nationalrats, „viele von ihnen werden bankrott gehen“, weil ihnen Schwarzgeldkunden davonlaufen. Man füge hinzu die profunde Aussage des „Finanzplatzexperten bei Avenir Suisse“, wonach „klein“ gleich Bilanzsumme von unter 10 Mrd. Fr. sei. Und findet in dieser Grössenklasse in der SNB Statistik doch sage und schreibe 247 Banken.

Niemanden kümmert dabei die Tatsache, dass unter diesen 247 Banken immerhin gut 70 Regionalbanken zu finden sind, ferner eine breites Spektrum von Instituten, angefangen bei der BZ Bank, Freienbach, bis hin zur Alternativen Bank, Olten, oder der WIR Bank Genossenschaft, Basel, deren Geschäftsmodelle alle kaum auf Schwarzgeld beruhen dürften. Niemand macht sich ferner die Mühe, die geschätzten Abzüge von 100-200 Mrd. Fr. zu hinterfragen oder wenigstens in bezug zum viel, viel grösseren gesamten Volumen der in der Schweiz verwalteten Gelder zu setzen und entsprechend zu relativieren. Und niemand erwähnt, dass  ein Abzug verwalteter Vermögen nicht dasselbe ist, wie ein Rückzug von Spar- oder anderen Einlagen (der eine Bank tatsächlich in den Bankrott stürzen kann), mit anderen Worten, dass man eine Vermögensverwaltung auch zurückfahren kann, ohne gleich Konkurs zu gehen.

Warum meine Aufregung? Erstens, weil das Bankgeschäft in extremem Masse vertrauensabhängig ist. Und weder die kleinen, noch die grossen Banken brauchen eine aus dünner Luft gegriffene Panikmache. Zweitens, weil ich gelegentlich für Interviews angefragt werde, gerade auch von Gratiszeitungen. Dabei stehe ich vor einem Dilemma. Einerseits: Wenn ich nichts sage, sagt ein anderer vielleicht etwas noch Dümmeres. Andererseits: Wenn ich etwas sage, mache ich mich zum Gehilfen einer Presse, die dem Leser mit der Illusion kurz-und-bündiger Information Gammeltexte unterschiebt. Was tun? Anregungen wären mir höchst willkommen.

Internationale Finanzmarkt“architektur“

In den vergangenen Tagen haben uns gleich zwei leitende internationale Gremien mit ihren Vorschlägen zur Bankenregulierung verwöhnt. Das von der G20 geschaffene FSB (Financial Stability Board) traf sich in Seoul und erliess Empfehlungen auf höchster Abstraktionsebene. Diese lesen sich wie ein Weihnachts-Wunschzettel. Mehr Kapital und Liquidität figurieren an erster Stelle. Es folgt der Wunsch nach einer Lösung der faktischen Staatsgarantie für Grossbanken (im Jargon: SIFIs, für „systemically important financial institutions“). Gefordert wird zum Beispiel eine „Capacity to resolve national and global SIFIs without disruption to the financial system and without taxpayer support“. Da auf einen richtigen Wunschzettel auch Dinge gehören, von denen man weiss, dass man sie nicht bekommen kann, folgt auch „Increasing supervisory intensity and effectiveness“. Leider sagt uns das FSF nicht, wie wir die Aufseher dazu bringen, einer Bank auf die Hühneraugen zu treten, deren Vertreter das Zehn- bis Hundertfache des Aufsehers verdienen, und die zu seinen wenigen möglichen künftigen Arbeitgebern zählt. Viel mehr als hübsches Geschenkpapier hat das FSF nicht geboten.

Der Inhalt der Päckli muss ohnehin von den nationalen Behörden und Gesetzgebern geliefert worden. Einen ersten Blick auf den Gabentisch hat die EU-Kommission mit ihrem Bericht vom 10. Oktober 2010 erlaubt. Da liegen die phantasielosen „Bessere Aufsicht“, „mehr Prävention“, die es zu jeder Weihnacht gibt, aber noch nie viel genützt haben. Dann aber schimmert durchs Papier die Aufschrift „Debt write down“. Das ist das, was wir uns sehnlichst gewünscht haben. Ohne Schuldenkürzung oder -umwandlung ist eine Insolvenz nicht zu beheben. Die ebenfalls vorhandenen Päckli „Umstrukturierung“, „Good bank — bad bank“, etc. sind nämlich unbrauchbar ohne klare Zuweisung der Verluste. Deshalb stürze ich mich auf „Debt write down“ und was finde ich? Erstens den richtigen Hinweis, dass es nicht ohne geht, und dann den ebenfalls richtigen Hinweis, dass nicht-EU-Jurisdiktionen eine Kürzung der Schulden einer EU-Bank kaum hinnehmen würden. Es folgen dann zwar genauere „Cross-Border“-Erläuterungen, aber bei der EU heisst „grezüberschreitend“ stets: innerhalb der EU.

Die Kernfrage, „Wie kürzt man Schulden, ohne das Insolvenzrecht zu bemühen und eine Rechtskrieg mit amerikanischen Behörden und Anlegern zu entfesseln?“ wird nicht weiter diskutiert, abgesehen von einer schüchtern-beiläufigen Erwähnung der Idee der „contingent convertibles“, wie sie von der Expertengruppe des Bundes vorgeschlagen wurden.

Anstatt sich mit der schwierigen, aber unvermeidlichen Frage der Schuldumwandlung auseinanderzusetzen, greift die EU-Kommission erneut zur Idee eines von den Banken zu äufnenden Stabilitätsfonds. Die hanebüchene Begründung: Die Banken, nicht die Steuerzahler, sollen für Bankenkrisen zahlen. Weshalb aber die guten Banken für die schlechten zahlen sollen, bzw. warum dies besser ist als wenn die Steuerzahler zahlen, wird nicht erklärt.

Kurz: Die EU-Kommission bietet ein Musterbeispiel an Entscheidungsschwäche und konzeptioneller Ratlosigkeit. Mangels konzeptionellem Kompass will sie von allem etwas: Mehr Kapital, mehr Liquidität, mehr Überwachung, weitergehende Kompetenzen für die Behörden, mehr Töpfe, aus denen Banken saniert werden können. Mehr Gremien, die mit vagen Aufträgen ausgestattet sind, hat sie letztes Jahr schon geschaffen. Wetten, wer inskünftig bezahlt: Steuerzahler oder Banken? Ganz einfach: Beide.

Expertenbericht TBTF

Der Schuss ist raus: die Expertenkommission des Bundes zur „Limitierung von volkswirtschaftlichen Risiken durch Grossunternehmen“ (Too big to fail, TBTF) hat ihren Schlussbericht publik gemacht. Eine erste Durchsicht zeigt Gutes und Schlechtes.

Zuerst die gute Nachricht: Der Bericht nennt das Kind beim Namen: Die faktische Staatsgarantie ist eine Subvention mit hohen Kosten und Risiken für die Steuerzahler. Der Bericht schlägt vier Kernmassnahmen vor (Eigenmittel, Liquidität, Risikoverteilung, Organisation). Der eigentliche Kern sind jedoch die Vorschläge zum Thema Eigenmittel. Hier übernimmt der Bericht im wesentlichen die Vorschläge unseres Gutachtens vom Juli 2010: Es braucht deutlich mehr haftende Substanz, bestehend aus Eigenmitteln und aus Schulden, die im Krisenfall gekürzt oder in Eigenmittel verwandelt werden können. Die gesamten Anforderungen müssen über Basel 3 hinausgehen. Ebenfalls übernommen wurde der von der Grösse (Bilanzsumme, Marktanteil) abhängige Eigenmittelzuschlag. Ein Teil der geforderten Eigenmittel soll als „contingent convertible bonds“ (bedingte Pflichtwandelanleihen), kurz: CoCos, emittiert werden können.

Leider gibt es auch schlechte Nachrichten. Erstens bemessen sich die Eigenmittelanforderungen an den risikogewichteten Assets, genau wie bei Basel 3. Wenn aber die Finanzkrise eines gezeigt hat, dann dass die Risikomessung im entscheidenden Moment versagt. Krisen kommen oft oder meist aus dem toten Winkel. Risikomessung ist sogar dann unzuverlässig, wenn sie nach bestem Wissen und Gewissen vorgenommen wurde. Aber erst recht gefährlich wird sie, wenn die Banker ein Interesse haben, geringe Risiken auszuweisen (zum Beispiel damit Boni fliessen). Sie beherrschen die Kunst, die gemessenen Risiken abzubauen, aber die effektiven Risiken zu erhöhen.

Zweite schlechte Nachricht. Auf den Eigenmittelzuschlag für Grösse, den mutigsten Teil der Vorschläge, gibt es einen Rabatt. Je besser die Bank glaubhaft machen kann, sich durch ihre Organisation im Krisenfall aufteilbar gemacht zu haben, desto grösser der Rabatt. Leider funktionieren diese Aufteilungspläne nur in behördlichen Wunschträumen.

Ein grundsätzlich richtiges Konzept wird also an zwei nicht tragfähigen Nägeln aufgehängt: Der Messbarkeit der Risiken durch die Banken selbst und der Organisierbarkeit der Aufteilung im Krisenfall.

Drittens schliesslich sind die vorgesehenen Eigenmittelanforderungen zwar strenger als Basel 3, aber nicht streng genug, um das TBTF-Problem zu lösen. Die Anforderungen wurden kalibriert auf die schweizerischen Erfahrungen aus der Finanzkrise. Dabei geht vergessen, dass die Finanzkrise für die Schweiz und die UBS, als Hauptbetroffene, trotz allem eigentlich glimpflich ablief, gemessen an früheren Krisen und an ausländischen Erfahrungen. In der Krise der frühen 1990er Jahre („Regionalbankenkrise“) verloren die Grossbanken 12,5 Prozent des Kreditvolumens. Dies wären heute rund 75 Milliarden Franken. Die von der Expertengruppe geforderten (bei heutigen Zahlen) 19 Prozent der risikogewichteten Assets beträgt gerade etwa so viel. Dabei ist aber nicht eingerechnet, dass die Banken ihre Bilanzen an das neue Konzept anpassen werden; auch nicht eingerechnet ist, dass die Banken die vorgesehenen Grössenpuffer wesentlich abbauen werden, indem sie den Organisationsrabatt abholen.

Dass die Arbeitsgruppe überhaupt soweit gekommen ist, ist namentlich den Behördenvertretern hoch anzurechnen. Die Banken und ihre Verbündeten haben massiv Druck gemacht, mit Abwanderung, Kreditklemme und der Pest gedroht. Sie haben sogar hart auf den Mann gespielt. Nur eines haben sie nicht: Ein einziges vernünftiges Argument gebracht, weshalb mehr Eigenmittel anstelle hoher Fremdfinanzierung teuer sein soll. Eigenmittel sind nur teuer für TBTF-Banken und für Manager, die ihre Boni nicht gerne mit den Aktionären teilen. Jeder, der diese Botschaft im Bundesrat und im Parlament verbreitet, tut etwas zur Lösung des TBTF-Problems und zur Erhaltung der Schweiz als Wirtschaftsstandort.

Link zum Bericht der Expertenkommission des Bundesrates
Link zur Studie Faktische Staatsgarantie für Grossbanken

Eigenmittel sind nicht teuer!

Mitten in die Diskussion, wieviel Eigenmittel die Schweizer Grossbanken Banken halten sollten, platzt eine Bombe: Die vier renommierten Ökonomen Anat Admati, Peter DeMarzo, Martin Hellwig und Paul Pfleiderer behaupten in einem Arbeitspapier der Stanford University schlicht: „Die Behauptung, Eigenmittel seien teurer als Fremdmittel, ist eine Legende.“  Eine hohe Fremdfinanzierung (leverage) ist nach Meinung der Autoren nicht erstrebenswert — nicht aus Sicht der Bank und schon gar nicht aus Sicht der Gesamtwirtschaft. Das Papier zieht die Konsequenzen aus den seit 1958 bekannten Modigliani-Miller-Theoremen, wonach die Finanzierungskosten nur unter bestimmten Voraussetzungen von der Leverage abhängen. Die Autoren prüfen diese Voraussetzungen und verwerfen die Gründe, die zugunsten einer hohen Leverage der Banken sprechen könnten.

Weshalb sich die Banken in den 65 Jahren seit der Formulierung der Modigliani-Miller-Theoremen nie ernsthaft mit diesen auseinandergesetzt haben und warum auch die Wissenschaft viel zu wenig unternahm, um den Mythos der teuren Eigenmittel zu hinterfragen, bleibt ein Geheimnis der Geistesgeschichte. Doch lieber spät als nie. Wenigstens kamen Admati, DeMarzo, Hellwig und Pfleiderer gerade noch rechtzeitig, bevor die Arbeitsgruppe des Bundes zur faktischen Staatsgarantie ihre Empfehlungen abliefern muss.