Adventskalender 19

Vielleicht hilft gegen die Kälte eine Geschichte aus wärmeren Tagen. Mark Twain berichtet in A Tramp Abroad (1880) humorvoll von einer Besteigung des Rigi. Die eher astronomische Pointe der Geschichte wollen wir hier nicht verraten, im Gegensatz zu folgender ökonomisch interessanten Episode:

Presently we came upon half a dozen sheep nibbling grass in the spray of a stream of clear water that sprang from a rock wall a hundred feet high, and all at once our ears were startled with a melodious „Lul … l … l l l llul-lul-LAhee-o-o-o!“ pealing joyously from a near but invisible source, and recognized that we were hearing for the first time the famous Alpine JODEL in its own native wilds. And we recognized, also, that it was that sort of quaint commingling of baritone and falsetto which at home we call „Tyrolese warbling.“

The jodeling (pronounced yOdling–emphasis on the O) continued, and was very pleasant and inspiriting to hear. Now the jodeler appeared–a shepherd boy of sixteen– and in our gladness and gratitude we gave him a franc to jodel some more. So he jodeled and we listened. We moved on, presently, and he generously jodeled us out of sight. After about fifteen minutes we came across another shepherd boy who was jodeling, and gave him half a franc to keep it up. He also jodeled us out of sight. After that, we found a jodeler every ten minutes; we gave the first one eight cents, the second one six cents, the third one four, the fourth one a penny, contributed nothing to Nos. 5, 6, and 7, and during the remainder of the day hired the rest of the jodelers, at a franc apiece, not to jodel any more. There is somewhat too much of the jodeling in the Alps.

Adventskalender 18

Hinter unserem heutigen Adventstürchen verbergen sich Licht und Schatten, Hoffnung und Verzweiflung. Am 18. Dezember 1865 trat das „13th Amendement“ der amerikanischen Verfassung in Kraft, das die Sklaverei endgültig verbietet. Gleichwohl leben auch heute noch zwischen 12 und 17 Millionen Menschen als Sklaven. Die meisten von ihnen sind Schuldensklaven — Kreditnehmer, die sich oder ihre Kinder als Pfand hingegeben haben. Daneben grassiert der internationale Menschhenhandel zu Prostitutionszwecken. Deshalb möchten wir daran erinnern, dass alle Macht beim Konsumenten liegt: Sklavenarbeit gibt es nur, so lange jemand ihre Früchte kauft.

Adventskalender 15


Die Grünmützen kommen! In Belgien protestiert eine Gruppe von Bürgern und von Aktionären der Belgischen Nationalbank (diese ist wie die SNB eine Aktiengesellschaft) gegen die Selbstbedienung der Regierung des verschuldeten Staates in den Währungsreserven der Notenbank. Die Gruppe gibt sich gegen aussen zu erkennen durch grüne Dächlikappen mit der Aufschrift NBB4EVER (National Bank of Belgium for ever).

Hoffentlich müssen wir die Unabhängigkeit der SNB nie mit der (in dem Fall dann blauen) Kappe verteidigen.

Irland=Island?

Im Februar sagten wir hier, Island könne und solle seine Schulden nicht bezahlen. Wie aber steht es mit Irland? Dies fragte uns gestern die Handelszeitung. Inke schaute nach, und siehe da. Irland hat gegenüber dem Ausland pro Kopf seiner Bevölkerung anderthalb mal soviele Schulden wie Island. Bei beiden Ländern entsprechen die Schulden dem zehfachen Bruttoinlandprodukt. Beide müssten also zehn Jahre lang für das Ausland arbeiten, ohnen einen Bissen selber zu essen, wollten sie die Schulden je zurückzahlen.

Island hat seither erfolgreich über Erleichterungen verhandelt. Irland bleibt einstweilen in der finanziellen Todeszone. Mehr dazu in der Handelszeitung von morgen 15. Dezember.

Adventsquiz: Sieger und Lösung

Der Sieger in unserem Adventsquiz steht fest! Als erster mit acht Richtigen gepunktet hat Simon Tobler aus dem Investment Banking der Credit Suisse. Herzliche Gratulation!

Und hier die richtige Lösung: b-a-c-c-c-c-c-c (ausgesprochen: „batzzzzzz“). Im einzelnen:

  1. b: Napoleon verordnet der Helvetischen Republik einen Franken nach Vorbild des franz. Franc
  2. a: Mit der Gründung des Bundesstaates entsteht der „Schweizer Franken“.
  3. c: 1865, Lateinische Münzunion
  4. c: 1980, Währungsvertrag mit Lichtenstein; b war fast richtig, da Liechtenstein den Schweizer Franken seit 1924 als Landeswährung verwendete.
  5. c: 1907, Gründung der SNB (bis dahin kantonale Banknoten)
  6. c: Die Banknoten erhielten zwar schon 1936 Zwangskurs aufgrund von Notrecht. Ab 1954 wurde der Bundesrat im ordentlichen Recht ermächtigt, „in Zeiten gestörter Währungsverhältnisse“ Banknoten als Zahlungsmittel festzulegen. Davon machte er sogleich Gebrauch. Gesetzliche Zahlungsmittel sind die Noten der SNB streng genommen sogar erst mit dem WZG (Bundesgesetz über die Münzen und Zahlungsmittel) aus dem Jahr 2000
  7. c: 2000 durch Anpassung des Geld- und Währungsartikels (Artikel 99 BV) und Inkrafttreten des
    WZG wurde die Goldbindung des Frankens beseitigt.
  8. c: Mit dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems (Einstellung der Dollar-Käufe im Januar 1973) wurde die SNB von einem Währungskiosk zu einer autonomen Notenbank.

Wir danken dem Sieger und allen anderen Einsendern für’s Mitmachen!

Das Batz-Team!

Adventskalender 13

Heute wäre der Österreichische Schilling 65 geworden. Er entstand in der Währungsreform von 1945 aus jeweils 150 Reichsmark pro Schilling. Im Jahre 2002 ging der Schilling im Euro auf.

Der zweite Jubilar ist erst 57. Ob er jubilieren mag ist zudem zweifelhaft. Trotzdem ein grosses Happy Birthday an Ben Bernanke, den vierzehnten Chairman of the Federal Reserve.

Bei dieser Gelegenheit möchten wir auch an unser Währungsquiz vom 6. Dezember erinnern. Wir haben noch keinen eindeutigen Sieger, aber mehrere Einsendungen mit 5 von 8 Richtigen. Das müsste doch zu schlagen sein! (Wir behandeln Einsendungen vertraulich, werden aber den/die Sieger(in) mit Erlaubnis bekanntgeben.

Adventskalender 11

„Einhundert Batzen mein Gebot“. Dass Verträge Anreize schaffen, ist bekannt. Beispielsweise wird verlangt, Bankverantwortliche müssten mit ihrem Vermögen für Verluste der Bank haften. Das nachfolgende Gedicht rät zur Vorsicht im Umgang mit vertraglichen Strafen.

Der rechte Barbier

Adalbert von Chamisso (1781-1838)

„Und soll ich nach Philisterart
Mir Kinn und Wange putzen,
So will ich meinen langen Bart
Den letzten Tag noch nutzen.
Ja ärgerlich wie ich nun bin,
Vor meinem Groll, vor meinem Kinn
Soll mancher noch erzittern!

Holla! Herr Wirt, mein Pferd! macht fort!
Ihm wird der Hafer frommen.
Habt Ihr Barbierer hier im Ort?
Lasst gleich den rechten kommen.
Waldaus, waldein, verfluchtes Land!
Ich ritt die kreuz und quer und fand
Doch nirgends noch den rechten.

Tritt her, Bartputzer, aufgeschaut!
Du sollst den Bart mir kratzen;
Doch kitizlig sehr ist meine Haut,
Ich biete hundert Batzen;
Nur, machst du nicht die Sache gut,
Und fliesst ein einz’ges Tröpflein Blut –
Fährt Dir mein Dolch ins Herze.“

Das spitze, kalte Eisen sah
Man auf dem Tische blitzen,
Und dem verwünschten Ding gar nah
Auf seinem Schemel sitzen
Den grimm’gen, schwarzbehaarten Mann
Im schwarzen Wams, woran
Noch schwärzre Troddel hingen.

Dem Meister wird’s zu grausig fast,
Er will die Messer wetzen,
Er sieht den Dolch, er sieht den Gast,
Es packt ihn das Entsetzen;
Er zittert wie das Espenlaub,
Er macht sich plötzlich aus dem Staub
Und sendet den Gesellen.

„Einhundert Batzen mein Gebot,
Falls du die Kunst besitzest;
doch merk es dir, dich stech ich tot,
So du die Haut mir ritzest.“
Und der Gesell: „Den Teufel auch!
Das ist des Landes nicht der Brauch.“
Er läuft und schickt den Jungen.

„Bist du der Rechte, kleiner Molch?
Frisch auf! fang an zu schaben;
Hier ist das Geld, hier ist der Dolch,
Das beides ist zu haben!
Und schneidest, ritzest du mich bloss,
So geb ich dir den Gnadenstoss;
Du wärest nicht der erste.“

Der Junge denkt der Batzen, druckst
Nicht lang und ruft verwegen:
„Nur stillgesessen! nicht gemuckst!
Gott geb Euch seinen Segen!“
Er seift ihn ein ganz unverdutzt,
Er wetzt, er stutzt, er kratzt, er putzt:
„Gottlob! nun seid Ihr fertig.“ –

„Nimm kleiner Knirps, dein Geld nur hin;
Du bist ein wahrer Teufel!
Kein andrer mochte den Gewinn,
Du hegtest keinen Zweifel;
Es kam das Zittern dich nicht an,
Und wenn ein Tröpflein Blutes rann,
So stach ich dich doch nieder.“ –

„Ei! guter Herr, so stand es nicht,
Ich hielt euch an der Kehle;
Verzucktet Ihr nur das Gesicht
Und ging der Schnitt mir fehle,
So liess ich Euch dazu nicht Zeit;
Entschlossen war ich und bereit,
Die Kehl Euch abzuschneiden.“ –

„So, so! ein ganz verwünschter Spass!“
Dem Herrn ward’s unbehäglich;
Er wurd auf einmal leichenblass
Und zitterte nachträglich:
„So, so! das hatt ich nicht bedacht,
Doch hat es Gott noch gut gemacht;
ich will’s mir aber merken.“

Adventskalender 9

Heute ist der Tag der heiligen Anna. Die Norweger beginnen an diesem Tag traditionellerweise mit der Zubereitung des Lutefisk, einer Fischspezialität für den heiligen Abend. Der Fisch wird in starke Lauge eingelegt (wo er zwischenzeitlich tödliche pH11 erreicht). Der Legende nach hat der Lutefisk die Norweger besonders stark gemacht.

Eine andere hierzulande wenig bekannte norwegische Spezialität, ebenfalls nicht nach jedermanns Gusto, ist die Skattelister: die Offenlegung der steuerbaren Vermögen und Einkommen der Bürger im Internet. Naiverweise dachte ich, Transparenz wäre ein Fressen für die Anhänger des Steuerwettbewerbs. Mein norwegischer Kollege warnt mich indessen: Die Gutverdienenden würden beneidet, die schlecht Verdienenden, bzw. deren Kinder, gemobbt. Ich hätte wahrscheinlich nachschauen können, was mein Kollege letztes Jahr (noch in Norwegen) versteuerte. Ich will ihn aber weder beneiden, noch bedauern. So liess ich’s denn bleiben.

Adventskalender 8

Heute vor 13 Jahren wurde den Aktionäre von UBS und Bankverein die Fusion der beiden Banken verkündigt. Vollzogen wurde sie im Juni folgenden Jahres. Unser Vorschlag: Heute abend im Kerzenschein ein bisschen conjectural history betreiben und darüber nachdenken: Wie wäre es  wohl gekommen ohne Fusion? Wie ginge es weiter? Wer lange genug in die Kerzenflamme schaut, sieht vielleicht den Schweizerischen Bankverein auferstehen …

Adventskalender 6

Im Heimatland muss beginnen, was leuchten soll in Europa. Unser Chlausrätsel versucht deshalb, die Leser für die Eurodebatte mit einigen Testfragen über unsere eigene Währung, den Schweizer Franken, zu stählen. Viel Spass!

  1. Wann erhielt die Schweiz zum ersten Mal eine einheitliche nationale Währung?
    (a) 1291, (b) 1798, (c) 1848, (d) 1907.
  2. Seit wann ist der Schweizer Franken offiziell Landeswährung?
    (a) 1848, (b) 1907, (c) 1918, (d) 1936.
  3. War die Schweiz früher einmal Teil einer Währungsunion?
    (a) ab 1815, (b) ab 1848, (c) ab 1865, (d) nie.
  4. Ist die Schweiz heute Teil einer Währungsunion?
    (a)  seit 1881, (b) seit 1924, (c) seit 1980, (d) nein.
  5. Seit wann hat die Schweiz einheitliche Banknoten?
    (a) 1848, (b) 1881, (c) 1907, (d) 1936.
  6. Die Banknoten der Schweizerischen Nationalbank müssen in der Schweiz als Zahlungsmittel angenommen werden. Seit wann ist dies ordentliches Recht?
    (a) 1881, (b) 1936, (c) 1954, (d) 2000.
  7. Die gesetzliche Golddeckung des Schweizer Frankens galt
    (a) bis 1936, (b) bis 1973, (c) bis 2000, (d) sie gilt bis heute.
  8. Seit wann kann die Schweizerische Nationalbank die von ihr ausgegebene Geldmenge de facto kontrollieren?
    (a) seit 1907, (b) seit 1936, (c) seit 1973, (d) seit 2000.

Die Lösung besteht aus acht Buchstaben (von a bis d). Wen dürfen wir als Einsender(in) der ersten richtigen Lösung (an: birchler@isb.uzh.ch) feiern?