Elektro statt VW?

Urs Birchler

The Economist sieht dank dem VW-Skandal das Zeitalter der Elektroautos gekommen. Der Verein E-Mobil-Züri weiss es schon lange und plant ein Formel E-Rennen ums Seebecken.

Gegen Elektroautos kann man fast nicht sein. Strom ist schlicht die saubere Energie — oder?

Wie bei batz.ch schon früher vermerkt, stimmt das nicht unbedingt. Der Strom kommt nämlich von irgendwo.

  • Aus einem AKW: Das ist dann nur je nach Standpunkt „sauber“.
  • Aus einem Kohlekraftwerk. Das heisst: Der Auspuff ist einfach weit weg und ganz gross.
  • Aus einem Wasser-, Wind-, etc. -Kraftwerk. Das wäre dann (die Belastung durch den Kraftwerkbau nicht mitgerechnet) technisch sauber. Aber noch längst nicht ökonomisch sauber. Wenn ich Strom aus Wasserkraft verbrauche, nehme ich diesen jemand anderem weg. Falls Wasserkraft nicht beliebig ausgebaut werden kann (und an dem Punkt sind wir vermutlich in der Schweiz), muss dieser Andere also ausweichen — auf eine der dreckigen Varianten.

Dazu kommt noch, dass auch die Herstellung eine E-Autos relativ viel Energie verbraucht. Letztlich hat The Economist mit dem Titel Dirty Secrets den Nagel auf den Kopf getroffen. Nicht nur VW hat ein dreckiges Geheimnis, auch die E-Auto-Fans haben eines. Marginal gesehen gibt es keine saubere Energie — ausser jener Energie, die wir gar nicht verbrauchen.

NZZ-Wirtschaftsredaktion im Elfenbeinturm?

Urs Birchler

Gratulation an meine Mit-Batzer Marius Brülhart, Gebhard Kirchgässner und Monika Bütler! Sie sind alle drei unter den einflussreichsten Schweizer Ökonomen.

Ob „einflussreichst“ auch bedeutet, dass jemand zuhört? Der Kommentar zum Ökonomenranking in der NZZ von Jürg Müller (5.9.2015, S. 15) weckt Zweifel. Jürg Müller beklagt zwar, „wie sehr die Ökonomen den Gang in die Öffentlichkeit scheuen“. Und ganz dick: „Bei zukunftsweisenden Fragen wie beispielsweise dem demographischen Wandel und der Migration … geht [die öffentliche Debatte] ohne materielle Mitwirkung der Wirtschaftsforscher über die Bühne.“ Gerade hier hätte er schon bei batz.ch (und das ist eine kleine Welt) einiges gefunden von Uwe Sunde (Demographie und Staatsverschuldung), Monika Bütler (Demographie und Umverteilung oder 2), Monika Engler (Demographie und Staatsfinanzen) und anderen.

Der Artikel beweist nur, dass die Ökonomen, wenn sie denn den Gang an die Öffentlichkeit wagen, offenbar nicht gelesen werden — jedenfalls nicht von Jürg Müller und einigen seiner Kollegen bei der NZZ.

Nicht, dass wir den Elfenbeinturm nicht kennten. Man lese dazu Monika Bütler in der Volkswirtschaft. Doch müssen Professoren in erster Linie unterrichten und Forschen. Im Vergleich zur 20-köpfigen Wirtschaftsredaktion der NZZ — die wirtschaftskundigen Redaktoren anderer Ressorts nicht mitgezählt — machen die rund hundert vollamtlichen Wirtschaftprofessoren an den Schweizer Universitäten der Deutschschweiz, deshalb eine gute Figur in den Medien. Vielleicht nicht immer in den schweizerischen.

Hier klemmt es nämlich. Ein Beispiel: Monika Bütler zeigte vor rund fünf Jahren in einem Aufsatz mit schweizerischen Daten, dass Ergänzungsleistungen die Anreize so verzerren, dass bei der Pensionierung eher Kapital als Rente gewählt wird. Eine Kurzfassung des Artikels wurde u.a. auch der NZZ angeboten. Seither hat diese Forschung der Autorin Einladungen an die Wharton School, nach Singapur, Australien und Holland eingebracht. In der Schweiz blieb das Interesse gering trotz explodierenden Kosten bei den Ergänzungsleistungen.

Jürg Müller spekuliert, die Schweizer Ökonomen seien sogar schuld, dass „in jüngster Zeit unsinnige Vorlagen auf Zustimmung der Bevölkerung gestossen sind [er meint die Stimmbürger]. Hat er die Beiträge zur Goldinitiative von Aleksander Berentsen (1) und mir (2, 3, 4, 5, 6) gelesen? Oder zur Erbschaftssteuer Marius Brülhart (1, 2, 3) und Monika Bütler (1, 2, 3)?

Jürg Müller beklagt, „dass nur allzu oft längst überholte Theorien die Richtung vorgeben.“ Stimmt — Beispiel NZZ. Es gibt in der empirischen Finance ein Ergebnis, das an Robustheit kaum mehr zu überbieten ist: Aus den vergangenen Bewegungen der Aktien- oder Devisenkurse, lassen sich keine gewinnbringenden Prognosen ableiten. Dies hindert die NZZ nicht daran, wöchentlich fast eine Seite der chartechnischen Kaffeesatzlektüre zu widmen und uns vor herannahenden Todespunkten und dergleichen Mumpitz zu warnen.

„Ökonomen sollten die Studierstube wieder einmal verlassen.“ Ein solcher Satz kann nur in einer zu gut geheizten Redaktionsstube entstanden sein.

Fintech

Urs Birchler

Oder: Banken, Medien und der digitale Tsunami.

Dies ist mein erster Beitrag unter dem Motto „Zurück aus den Ferien“ — Mitbringsel und neu Gefundenes. Hier ein frischer Beitrag aus dem Blog Daily Fintech von Bernard Lunn (18. Aug. 2015). Was können Banken lernen von den Medien, auf die vor zehn Jahren der Tsunami der Digitalisierung zukam?

Lunns Antwort beruht auf der Prozentregel: Wieviele Prozente des Geschäfts lassen sich digital übertragen? Airlines: wenig. Musik: 90%. Banken: eher wie Musik, d.h. fast alles. Grösse: irrelevant. Kein Too-Big-to-Disrupt.

Die Voraussage: Wie bei den Medienhäusern: Nur wenige Banken werden den Spagat Digital+Traditionell schaffen (à la The Economist oder der Verlag Conde Nast). Was Lunn nicht sagt: Überflüssig werden als erstes die Bank-Professoren wie ich.

Leben ohne Banken

Urs Birchler und Inke Nyborg

Egal wie die Abstimmung heute ausgeht – in Griechenland sind die Banken geschlossen, und Bargeld ist knapp. In einer ähnlichen Situation war Irland in den 1970er Jahren wegen anhaltender Streiks. Die Iren wussten sich jedoch zu helfen. Sie zahlten mit Checks. Damit die Leute nicht einfach Checks ausstellen können, die über ihre Zahlungsfähigkeiten hinausgehen, braucht es jedoch einen Aufpasser, der an die Stelle der Bank tritt. In Irland war dies der Inn-Keeper. Die Pubs (die ihre Kunden recht gut kennen) übernahmen die Rolle einer Clearing-Stelle, und die Wirtschaft kam einigermassen über die Runden. Dies ist nachzulesen in der Financial Times und im Buch Money: The Unauthorised Biography (2013, S. 20ff.) von Felix Martin.

Wehe dem, der keine Stammbeiz hat!

Nix Grexit

Urs Birchler

Griechenland kann nicht mehr zahlen. Verschiedene Beobachter rechnen daher mit einem „Grexit“, einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone. Dabei übersehen sie die hohen rechtlichen Hürden. Unter Überschreitung der Kompetenzen des Autors ein kurzer Blick auf die Rechtslage:

  1. Ein Austritt aus der EU (und daher aus dem Euro) ist möglich durch einseitige Erklärung eines Landes, die nach zwei Jahren in Kraft tritt.
  2. Eine Neuverhandlung des EU-Mitgliedschaftsvertrags ist möglich. Der neue Vertrag müsste aber von allen Mitgliedstaaten der EU (nicht nur jener der Euro-Zone!) ratifiziert werden.
  3. Ein Austritt aus dem Euro-Verbund:
    • freiwillig: ist ohne Austritt aus der EU nicht möglich.
    • unfreiwillig (Herauswurf): ist nicht möglich.
  4. Eine Parallelwährung:
    • in Form einer echten Parallelwährung (z.B. Rückkehr zur Drachme) ist möglich, führt aber zu einer Prozesslawine.
    • in einer verkappter Form (z.B. Gutscheine des Staates, die auf Euro lauten) scheint kein EU-Recht zu verletzen, höchstens nationales Recht (z.B. im Verhältnis Regierung-Notenbank; Arbeitsrecht).

Fazit: Grexit-Szenarien sind tägliche Adrenalinhäppchen für Zeitungsleser, aber schon aus rechtlichen Gründen (nicht zu reden von den organisatorischen und ökonomischen Problemen) irrelevant. Was wirklich geschehen wird: Griechenland zahlt seine internationalen Schulden nicht, versucht primär inländische Verpflichtungen (Löhne, Renten; indirekt auch Einlagen der Banken) zu honorieren und bleibt im Euro, mindestens pro forma.

Quellen:

Mozart am Zoll

Urs Birchler

Presseberichte, wonach die Violonistin Esther Hoppe am Pfingstfestival auf Schloss Brunegg auf Mozarts Geige spielen soll, haben düstere Erinnerungen wachgerufen: Vor fünf Jahren haben wir unter dem Titel Saitensprung bei batz.ch die Probleme kommentiert, denen eine Geige aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbank beim Schweizer Zoll am Flughafen Zürich begegnete.

Drücken wir Frau Hoppe die Daumen, dass diesmal die Geige das richtige Formular dabei hat und das Konzert nicht in die akkustisch ebenfalls aparte Transit-Lounge verlegt werden muss. Dennoch: Liquide Mozartliebhaber, die bereit sind, notfalls einen kurzfristigen Zollvorschuss in sechsstelliger Höhe zu leisten, mögen sich bitte vorsorglich raschmöglichst beim Konzertveranstalter melden.

Die Griechen und ihre Kohle

Urs Birchler

„Ich fahre häufig Kunden zur Bank, die 50’000 oder 60’000 Euro abheben, um sie daheim zu verstecken“, berichtet der Athener Taxifahrer Stavros [Name geändert]. Nur: Damit sei das Problem nicht gelöst. Die Zahl der Einbrüche sei nämlich in letzter Zeit stark angestiegen. Die Einbrecher fänden das versteckte Bargeld rasch: „Sie kommen mit Metalldetektoren, welche die Metallfäden in den Banknoten spüren.“ Drum sein Rat: „Die oberste Schicht der Banknoten mit Kohlenstoff einreiben; der verwirrt die Detektoren…“. Also nicht erschrecken, wenn Sie in Griechenland schwarzes Geld bekommen. Vielleicht gibt es bald, wie in Indien, professionelle Geldwäscher, die die Scheine wieder in alter Pracht scheinen lassen. Die Alternative wäre ein funktionierendes Bankensystem.

Der Bundesrat als Unternehmensberater

Urs Birchler

Die Schweiz geht zu einer neuen Wirtschaftsform über. Weiss (freie Marktwirtschaft) oder schwarz (reine Staatswirtschaft) war zwar nie. Dem Bundesrat schwebt aber neuestens eine Schattierung von dunkelgrau vor, die mich schaudern lässt.

Am 1. April hat der Bundesrat (aufgrund eines Auftrags des Nationalrats) ein Dokument mit dem wohlklingenden Titel „Gesellschaftliche Verantwortung der Unternehmen“ vorgestellt. Grund gemäss Medienmitteilung: „Der Bund erwartet von den Wirtschaftsakteuren, dass sie ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen.“ Dabei brauchen sie seine Hilfe.

Oder eigentlich: er braucht ihre Hilfe. Das bundesrätliche Osterei enthält unter dem Schokoladeüberzug aus Verantwortung für Umwelt, Gesellschaft und Menschenrechte eine langfristig giftige Wirtschaftsphilosophie: Die Unternehmen sind ein verlängerter Arm des Staates. Denn die ihnen aufzuerlegende soziale Verantwortung (Corporate Social Responsibility, CSR)

„umfasst ein breites Spektrum von Themen, die bei der Unternehmensführung neben den Eigentümerinteressen zu berücksichtigen sind. Dazu gehören die Arbeitsbedingungen (inkl. Gesundheitsschutz), Menschenrechte, Umwelt, Korruptionsprävention, fairer Wettbewerb, Verbraucherinteressen, Steuern, Transparenz und weitere Aspekte (Berücksichtigung der Bedürfnisse der lokalen Umgebung, Einbindung lokaler Kapazitäten, Wissenstransfer, Schutz der Rechte an geistigem Eigentum, usw.)“ (S. 5).

Kurz: Die Unternehmungen haben eine Reihe von Aufgaben zu erfüllen, zu denen dem Staat die Rechtsgrundlege, die Mittel oder der Wille fehlen.

Offenkundig ist es dem Bundesrat auf dieser schiefen Ebene selbst nicht ganz wohl:

  • Zu bindenden CSR-Vorschriften an die Unternehmen fehlt dem Staat im Grunde die Kompetenz, deshalb „informiert“ er sie über seine „Erwartungen“, eine Formulierung mit der auch kriminelle Organisationen gerne den illegalen Tarif durchgeben.
  • Das Argument, CSR liege im ureigenen Interesse der Unternehmen, hat viel für sich. Schon heute findet eine schweizerische Unternehmung kaum mehr fähige Mitarbeiter, wenn sie verantwortungslose Praktiken duldet; auch hat der Bundesrat recht, wenn er Reputationsrisiken erwähnt. Nur: Weshalb braucht es den Bund, um die Unternehmen an ihre eigensten Interessen zu erinnern?
  • Die vom Bund gewünschten Bemühungen sind für die Unternehmen ein Kostenfaktor: „Die Umsetzung der CSR stellt Unternehmen, insbesondere KMU, im In- und Ausland vor verschiedene Herausforderungen.“ (S. 14)

Dennoch will der Bundesrat auf dem gewählten Weg entschieden weiterschreiten. Dabei malt er mit mehr als 50 Grautönen das Zusammenwirken von Staat und staatsdienender Privatwirtschaft. Es erwarten uns unter vielem anderem (der Aktionsplan umfasst 25 Seiten!): Öffentlich-private Partnerschaften, Runde Tische mit Anspruchsgruppen (auch bei KMUs!), ein „Kompass Nachhaltigkeit“, Schulungen, Austausch von Best Practices, Informations- und Sensibilisierungsaktivitäten, Unterstützung international anerkannter Institute, die Förderung von CSR-Themen in Ausbildungsgänge von Hochschulen (endlich eine Alternative zu Mathematik!). Aber es soll auch Geld fliessen, z.B. in als Beiträge zur Förderung nachhaltiger und entwicklungsfördernder privater Investitionen.

Da der Bundesrat von der neuen Wirtschaftform überzeugt ist, möchte er sie auch im Ausland propagieren: „Die Regierungen dieser Länder unterstützt der Bund bei der Schaffung und Umsetzung eines gesetzlichen Rahmens, der es ihnen erlaubt, den Privatsektor auf das Ziel der nachhaltigen Entwicklung auszurichten.“

Natürlich beruht alles auf entsprechenden Empfehlungen der OECD, einer EU-Richtlinie und einem Leitfaden ISO26000 (immerhin: keine Norm!). Und ebenso selbstverständlich benötigt eine Umsetzung der „Erwartungen“ des Bundes eine Zusammenarbeit vieler Beteiligter: Staatsbeamte, administrative Mitarbeiter in Unternehmen, Nicht-Regierungs-Organisationen (die dabei schleichend zu indirekten Regierungsorganisationen werden), Unternehmensberatern und PR-Agenturen. (Wer sagt als erster: „Arbeitsplätze“?)

Der langen Rede kurzer Sinn: Woher nimmt eine Regierung das Recht, Unternehmen für ihre Ziele einzuspannen, wenn sie selbst nicht einmal imstande ist, ihren hehren Umweltzielen mit einer CO2-Abgabe auf Benzin nachzuleben?

Formel E

Urs Birchler

„Julius Bär geht die Dinge langfristig an.“ Dies steht auf der Homepage der Bank unter dem Stichwort „Visionäres Denken“. Sie verwendet dazu einen „Next-Generation-Ansatz“ [Generation trotz langfristiger Vision im Singular]. „Mit ihrem Next-Generation-Anlageansatz erforscht die Bank wichtige Trends für die Zukunft der Menschheit, die zu nachhaltigen und sozial verantwortlichen Anlagelösungen führen.“

Konkret: Die Bank unterstützt massgeblich die FIA Formula E Championship, eine Rennserie mit Elektroautos in zehn Städten der Welt. Ist das wirklich visionär?

Zugegeben: Auch unsere Umweltministerin fährt dem Vernehmen nach eine Stromkutsche. Die Devise „Strom ist gut“ hat also den obrigkeitlichen Segen (was sie noch nicht automatisch visionär macht). Dennoch ist auch Strom Energie. Und woher der Formel-E-Strom (Betrieb und Herstellung der Boliden) kommt, sagt uns die weitblickende Bank nicht (Strom aus Kohle bedeutet einfach, dass der Auspuff zentralisiert wird, und Atomstrom ist auch nicht das Nachhaltigste).

Zugegeben: Die UBS mit ihrer Unterstützung der Formel 1 ist noch schlechter beraten; sie riskiert, wenn irgendeinmal alle laufenden Klagen abgeschlossen sind, als globaler ökologischer Dorftrottel dazustehen. Julius Baer ist also der UBS ein paar Runden voraus, aber der Gesellschaft vielleicht  ebensoweit hinterher. Es könnte ja sein, dass die Zukunft (die gemäss Julius Baer in den Städten liegt) nicht von individualisierten strombetriebenen Vehikeln getragen wird.

Zugegeben: Ich brauche mich als Zürcher nicht aufzuregen. In Zürich, wo Julius Baer gerne ein Rennen abhalten möchte (wir sind ja eines der weltweiten Vermögensverwaltungszentren), sind die politisch-aministrativen Kurven wohl zu eng für die Money-Love-Mobiles der Formel E. Amüsant immerhin: Der Flughafen Dübendorf, wo Politik und Finanzindustrie einen Fin-Tech-Innovationspark bauen möchten, ist laut Marketing-Spezialisten von Julius Baer für die Formel E nicht gut genug (siehe Tagi von heute).

Von wegen „Next Generation“: Ihr wäre vielleicht besser gedient mit Formel S wie Sparsäuli.

Das Geld: Europas Schicksal?

Urs Birchler

Bei Frühjahrs-Aufräumen meines Arbeitszimmers (endlich!) kam neben manch anderem eine Postkarte von De Nederlandsche Bank mit einem historischen Zitat zum vorschein:

L’Europe se fera par la monnaie ou ne se fera pas.

Es stammt vom französischen Ökonomen und Finanzexperten Jacques Rueff (1896-1978), einem Berater von General De Gaulle und datiert von 1949. Rueff, ein Liberaler mit Hang zum Goldstandard, beeinflusste Frankreichs kritische Haltung zum Bretton-Woods-System und der auf ihm beruhenden amerikanischen Defizitwirtschaft stark (nachzulesen hier). De Gaulle erklärte dem Dollarstandard 1965 den Krieg und rettete Frankreich viel Gold anstelle von (später stark abgewerteten) Dollars.

Rueff traute dem politischen Einfluss auf das Geld in keiner Weise. (Dank Rueff heisst die „Währung“ des IWF „Sonderziehungsrechte“ und nicht „Currency Reserve Unit“, da er eben keine Währung in der Hand des IWF wollte.) Mit dem Zitat meinte Rueff, dass Europa nur auf einem gesunden (d.h. dem politischen Einfluss entzogenen) monetären Fundament gedeihen könne. Die Idee, „Europa“ mit Hilfe des EURO zu erzwingen, wäre eine Pervertierung des Zitats. Leider eine, die sich bei den Euro-Politikern durchgesetzt hat. Ihnen würde Rueff wohl eher sagen: „L’Europe se défera par la monnaie.“