Urs Birchler
Dies ist der erste Beitrag auf batz.ch, der auf künstlicher Intelligenz (claude.ai professional) beruht.
Soll der Bund von der Grossbank UBS höhere Eigenmittel verlangen? Die UBS und verschiedene Kommentatoren argumentieren, höhere Eigenmittel seien teuer und würden die UBS im Wettbewerb behindern. Die UBS hat jedoch u.W. immer noch keine Berechnung vorgelegt, welche die Kosten höherer Eigenmittel belegen würden.
Wir haben deshalb Claude (das von Anthropic entwickelte KI-Modell) gefragt.
Frage: Wie ändern sich die gewichteten Finanzierungskosten der Grossbank UBS, wenn sie im Umfang von 28 Mrd. Fr. ihre Fremdmittel durch Eigenmittel ersetzt?
Die Antwort in kurz: Die Finanzierungskosten ändern sich wegen höherer Eigenmittel kaum. Ferner sind es keine echten Kosten, sondern nur eine Entlastung des Staates aufgrund geringerer too-big-to-fail-Risiken und leicht höherer Steuern. Claude liegt daher genau auf der Linie des Finanzdepartements und jener Ökonomen, die sich näher mit der Materie befasst haben.
Die Antwort von Claude im Originaltext
Die Antwort hängt davon ab, welches theoretische Rahmenmodell man zugrunde legt. Ich skizziere die drei üblichen Sichtweisen.
Naive Sicht (Lehrbuch-Bankpraktiker)
Eigenkapital ist «teurer» als Fremdkapital (geforderte Rendite der Aktionäre ≈ 10–12 %, Fremdkapitalkosten einer Grossbank vielleicht 1–3 %). Wenn UBS 28 Mrd. Fr. teures EK gegen billiges FK tauscht, steigen die gewichteten Kapitalkosten (WACC) spürbar. Das ist das Argument, das die Banken selbst in der Debatte um höhere Eigenmittelanforderungen vorbringen.
Modigliani–Miller (perfekte Märkte, keine Steuern)
Die Kapitalstruktur ist irrelevant: Wenn der EK-Anteil steigt, sinkt automatisch das Risiko sowohl für Aktionäre als auch für Gläubiger, weil pro Franken Verbindlichkeit mehr haftendes Kapital vorhanden ist. Die geforderten Renditen sinken also beide. Der gewichtete Mix bleibt unverändert — die WACC der UBS ändert sich gar nicht. Die Substitution von 28 Mrd. Fr. FK durch EK ist ein reiner Etikettentausch auf der Passivseite.
Reale Welt (mit Steuern und Subventionen)
Zwei Friktionen führen in der Praxis zu einer Abweichung von MM:
Der Steuerschild auf Fremdkapitalzinsen entfällt teilweise. Bei einem Grenzsteuersatz von rund 20 % und Fremdkapitalkosten von ca. 2 % ergibt das eine Mehrbelastung von grob 0,2 × 0,02 × 28 Mrd. ≈ 110 Mio. Fr. pro Jahr — ein volkswirtschaftlicher Transfer vom Staat zur Bank, nicht ein echter Ressourcenverbrauch.
Die implizite Staatsgarantie («too big to fail») verbilligt die UBS-Fremdmittel über den fairen Marktpreis hinaus. Mehr Eigenkapital reduziert diese Subvention, was aus Sicht der Bank wie eine Kostensteigerung aussieht, aus volkswirtschaftlicher Sicht aber lediglich eine Reduktion einer Quersubvention ist.
Quantitative Grössenordnung
Nach Admati/Hellwig (The Bankers‘ New Clothes) und empirischen Studien zu Schweizer Grossbanken liegt die tatsächliche WACC-Erhöhung bei einer solchen Substitution im Bereich von wenigen Basispunkten — deutlich geringer, als die naive Rechnung suggeriert, und weitgehend ein Transfereffekt. Bei 28 Mrd. Fr. und einer angenommenen Nettomehrbelastung von 20–40 Bp wäre das eine Grössenordnung von 50–100 Mio. Fr. jährlich, die allerdings grösstenteils auf entgangenen Steuerschild und entgangene Implicit-Subsidy zurückgeht.
Kurzfassung
Unter MM: keine Änderung. In der Lehrbuchrechnung «EK teurer als FK»: deutlicher Anstieg. In der Realität: kleiner Anstieg, überwiegend erklärt durch Steuerschild und TBTF-Subvention — also keine echten, sondern verteilungspolitische Kosten.
Jetzt wäre die UBS wieder dran.
