Les heures sont des trésors

Laut Pressemeldungen (zum Beispiel im Tagesanzeiger) will ein Teil der SVP die Sommerzeit abschaffen, da diese laut einer Ärztin zu verschiedenen Leiden führt. Wie sind keine Mediziner; wir möchten nur eine wirtschaftshistorische Fussnote anbringen. Sie lässt vermuten, dass die SVP auch nicht mehr ist, was sie einmal war.

Nämlich: Nicht nur die Sommerzeit, überhaupt diese weder kinder- noch erwachsenengerechte fixe Zeiteinteilung ist zutiefst unschweizerisch und gehört lebenslänglich ausgeschafft. Früher galt die Sonne als Zeitmessserin, und im Winter waren halt die Stunden am Tag kürzer und in der Nacht länger. Im Sommer umgekehrt. Erst die Kommerzialisierung des Handwerks führte dazu, dass der Küfer für die Herstellung eines Fasses im Sommer und im Winter gleich viele Stunden aufschreiben musste. Und die vermaledeite Globalisierung — sprich: Eisenbahn — zwang die Seuzacher dazu, ihre Kirchturmuhr mit der der Winterthurer zu synchronisieren. Und seither prügeln wir unsere Kinder im Sommer bei strahlendem Sonnenschein ins Bett und im Winter bei Stockdunkelheit hinaus.

Es gibt für die Schweiz nur zwei Lösungen. Entweder den konsequenten Alleingang, das heisst: die Uhren wieder nach der Sonne richten und das Teufelszeug der fixen Stunden und Zeitzonen, samt Staatseingriff in Form von Sommer- oder Winterzeit, fahren lassen. Oder sich der Globalisierung beugen und auf die vom Schweizer Industrieflaggschiff Swatch schon längst propagierte Internetzeit (näheres bei Wikipedia) umzustellen (Wir schreiben im Moment @361.beats, und zwar überall auf der Welt.) Die Internetzeit (der Nullmeridian verläuft durch Biel!) brächte der Schweiz einen immensen Standortvorteil, da sich unsere Jungen ohne Zeithandicap auf Facebook und Google tummeln könnten. Und niemand braucht ein schlechtes Gewissen zu haben, weil der Chef noch um Mitternacht Emails beantwortet.

Gesunder Alleingang oder global erfolgreiche Selbstaufgabe? Die Zeitbome, der Konflikt zwischen SVP und Economiesuisse, tickt bereits. Der bilaterale Weg des nationalen Herumschraubens an der Zeitmessung als Kompromiss ist jedoch keine Lösung. Die ewig wiederkehrende Diskussion über die Abschaffung der Sommerzeit (jetzt wo sich die Kühe endlich dran gewöhnt haben), bereitet mir tatsächlich schlaflose Nächte.

2 thoughts on “Les heures sont des trésors

  1. Diese Idee einer einzelnen Politikerin hat nichts mit der SVP als Partei zu tun. Es kann nicht von einem „Teil der SVP“ die Rede sein, geschweige denn davon, „was die SVP einmal war“. Geht es in diesem Artikel statt um die Sache um Parteigezänke?
    *
    Die Kernfragen sind: Warum ist es so selbstverständlich, dass die Zeitmessung Aufgabe des Staates ist? Warum wird den Bürgern einerseits die Finanzierung des gewaltigen sozialistischen Staates, andererseits aber nicht die einfache Organisation zeitlicher Kooperation zugetraut? Warum soll sich das Volk einer staatlichen Monopolzeit unterwerfen?

  2. Sehr geehrter Herr Hügli

    besten Dank für Ihre Zuschrift. Es ging mir in keiner Weise um Parteipolitik. Wir haben in allen Parteien klare Geister und andere. Ich wollte darauf hinweisen, dass sich das Problem Zeit auf verschiedene Weise lösen lässt. Die Sommerzeit ist nur ein Randthema; persönlich nervt mich aber die ewig wiederkehrende Idee, die Sommerzeit sei ungesund und weiss Gott was.
    Mit Ihrem Angriff auf die staatliche Monopolzeit sind Sie da schon ein Stück konsequenter. Er erinnert mich daran, dass die Anarchisten seinerzeit den Null-Meridian in Greenwich in die Luft sprengen wollten.

    Mit freundlichen Grüssen

    Urs Birchler

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